Vollidiot

VollidiotGestern abend war ich im Kino und habe mir den hochgelobten Oli-Pocher-wird-jetzt-ein-ernstzunehmender-Schauspieler-Film „Vollidiot“ angesehen. Alleine schon die Tatsache, dass sogar die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die ja sonst zerreißt, was zu zerreißen ist, den Film im Allgemeinen sowie Herrn Pocher im Besonderen in höchsten Tönen lobte, zwang mich zur Bildung einer eigenen Meinung. Es stand geschrieben, dass dieser Film mehr über das Leben in Deutschland erzähle, als so manches Grimmepreis dotiertes Meisterwerk.
Ich muss sagen, ja, ich hatte einen äußerst amüsanten Abend. Ich würde zwar nicht so weit gehen, Oliver Pocher nun auf den Olymp der unvergessenen Schauspieler zu schiessen, aber den Vollidioten hat er nahezu perfekt gemimt. Er hat in diesem Film das gemacht, was er am besten kann: Comedy auf Kosten des Durchschnittstyps. Ein bisschen so wie Christoph Maria Herbst, der als „Stromberg“ als Durchschnittsarschloch, der Steigerung des pocherschen Durchschnittstypen, brilliert. Und dann tritt Pocher alias Simon Peters eben nicht als Bürohengst bei der Versicherung auf, sondern als gelangweilter Verkäufer der Telekommunikationskette unseres nicht mehr vorhandenen Vertrauens. Über deutsche Lebens- und Markenkultur der Kernzielgruppe 20- bis 40-Jähiger erzählt der Film eine ganze Menge. Der ganze Streifen ist voll von Schleichwerbung, die keine ist. Denn Schleichwerbung spukt ja sonst eher im Hintergrund, gerade noch fürs Unterbewusstsein aufnehmbar. In „Vollidiot“ wird das IKEA-Logo in Bildschirmbreite gezeigt, ein in riesigen Lettern beklebtes Easy-Jet Flugzeug startet durch und Heineken Bier wird bis zum Abwinken über die Leinwand geprostet. Natürlich gehört der samstägliche obligatorische Ikea-Wahnsinn genauso zur derzeitigen deutschen Kultur, wie der im Internet gebuchte Schnäppchenflug und das grüne Feierabendbier. Die Frage, die sich mir stellt, ist folgende: Warum wurde die im Film ständig auftauchende Kaffeekette, die sowohl ihrer übersatten Produktauswahl als auch dem entlarvenden Sesseldekor zufolge eindeutig auf Starbucks anspielte, „All American Coffee Company“ genannt? Warum an dieser Stelle nicht auch Starbucks, so wie IKEA, Heinecken und Easy-Jet? Haben die Amis nicht gezahlt? Hat überhaupt jemand gezahlt? Um Mithilfe und Aufklärung wird gebeten.

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