Donnerstag, 11. Oktober 2007

Flugzeuge am Bauch

Es sollte „Flugzeuge im Bauch“ heißen, ja, klar. Was aber ebenso klar ist beim Projekt „Flugzeuge im Bauch“: Im Bauch kann auch am Bauch sein. Erklärung folgt.
Mein neuer Mann ist nicht langweilig, nicht spießig und seine Wohnung ist erstklassig eingerichtet. Was große Glücksgefühle bei mir auslöst, musste ich doch erst vor kurzem noch panisch aus einer anderen männlichen Wohnung flüchten. Dieser Mann nämlich hatte sein „flottes Jugendzimmer“ noch dabei. Und in Mobiliar, in dem der Gute vor geschätzten 20 Jahren seine picklige Teenie-Freundin entjungfert hat, möchte ich noch nicht mal zu einem Glas Mineralwasser eingeladen werden, geschweige denn… Nun.
Aber wie gesagt, beim neuen Mann läuft alles optimal. Ich möchte nicht den Eindruck einer oberflächlichen Mimose erwecken, aber geschmackvolle Bettwäsche, eine gut eingerichtete Küche und sauber und im Bestfall selbst angebrachte Wandregale beeindrucken mich eben doch. Einfach und alleine wahrscheinlich schon aus dem Grund, dass man, sollte man irgendwann den Gedanken an eine gemeinsame Wohnung wagen, nicht folgende Gespräche führen muss: „Du, Schatz, ich hab heute Dein Lieblingsessen gekocht. Und by the way – nicht böhöhöse sein – mir ist vorhin deine lilafarbene Schaufensterpuppe, an der Du seit 18 Jahren Deine Kleidung aufhängst und unter deren debilen Blicken wir seit 2 Jahren Sex haben müssen, umgefallen. Leider ist ihr hübscher blonder Kopf abgebrochen und wir können sie jetzt leider nicht mit in die neue geschmackvolle Wohnung nehmen.“
Um sich den Leidensweg der Diskussionen um Schaufensterpuppen, Opas alten Ohrensessel und rustikale Schrankwände zu ersparen, sucht man sich eben doch besser gleich einen Mann mit Geschmack. Oder mindestens einen, der keinen hat und deshalb schnell und unproblematisch zu bekehren ist.
Doch auch mit Männern, deren Stilvorlieben man eigentlich teilt, erlebt man echte Highlights. Mein neuer Mann hat sich in London bei einem totaaaaaal angesagten jungen Designer ein super T-Shirt gekauft. Es ist kobaldblau – alleine schon die Farbe macht Kopfschmerzen – und hat geschätzte 100.000 süße kleine Flugzeuge in einem hübschen Kartoffeldruck-Arrangement auf Brust und Bauch. Allerliebst. Für 3-Jährige ein echter Kracher, keine Frage. Ich hatte es schon in der Kategorie Schlaf-T-Shirts abgespeichert. Solche habe ich natürlich auch, aber ich trage sie – zumindest in der Phase erster Verliebtheit – nicht, wenn der neue Mann in meinem Bett liegt.
Aber nein, falsch gedacht, das Kartoffeldruck-T-Shirt, der neue Mann und ich gehen damit selbstbewusst aus. Er selbstbewusster als ich. Gut, denke ich mir: „Jetzt sei mal keine Spießerin.“ In der ersten Kneipe treffe ich einen alten Bekannten. "Hey, neuer Mann an deiner Seite?" Zwinker. "Wie alt ist er denn?" Zwinker. - Demonstrativer Blick auf die Kartoffeldruckflugzeuge - "19???"
Ich sage "32", blicke auch auf die Flugzeuge und denke "3".
Aber für einen 3-Jährigen kann er einiges wirklich gut. Ich muss schmunzeln und nehme ihn samt der Flugzeuge am und im Bauch gerne wieder mit nach Hause.

Montag, 27. August 2007

„Mittag ist um elf!“

Dies als prompte Reaktion auf unsere enttäuschten Gesichter vor der karge Reste beherbergenden Vitrine in der Kantine der „Hütten- und Walzwerks- Berufsgenossenschaft“. Im Projekt „Erschließung neuer Futterkrippen“ marschieren wir hungrig und frohen Mutes mit den Genossen ein und werden herbe enttäuscht. Um dreizehn Uhr, einer für uns absolut humanen Zeit für ein gepflegtes Mittagessen, ist nur noch ein müdes Gericht zur Auswahl verfügbar, Beilagen ebenfalls nicht variabel. Und gepflegt ist auch anders. „Mittag ist um elf! Kommen se früher, dann haben se auch Auswahl“, belehrt die pummelige Netzhaube und klatscht im gleichen Atemzug Schnitzel, Bratkartoffeln und dicke braune Soße auf den Teller. „Bitteschön.“
„Danke auch.“ Wenige Schritte weiter bestätigt sich der Verdacht, dass das Flair des Speisesaals dem des rückständigen Essensangebots konsequent entspricht. Grauer Teppich an den Wänden, gleichfarbige Plastikstühle der ersten Generation und zu meiner großen Freude kistenweise Hydrokulturinseln. Das stelle man sich vor! Die im braunen Perlenfußbad stehenden, verstaubten Plastikpalmen sind doch eigentlich schon lange ausgestorben, dachte ich. Aber hier bleibt alles möglich, auch antiquierte, fiese braune Soßen, die wenig galant über schlechte Fleischqualität hinweg zu täuschen vermögen und vor allem nach einem schmecken: nach Stärke. Alles in allem war dieser Ausflug ein echt starkes Stück. Weiterempfehlung nicht möglich.

Donnerstag, 10. Mai 2007

„Mahlzeit!“

In der Ex-Firma meines Ex-Freundes gibt es einen Mitarbeiter, der quasi der „Mahlzeit“-Prototyp ist, der also eine Vorreiterfunktion in Sachen Grußbelästigung einnimmt. „Mahlzeit“ ist bei ihm etwa nicht nur die Alternative zu „Guten Appetit“- nein! „Mahlzeit“ ist die standardisierte Grußformel aller Begegnungen zwischen 11 und 14 Uhr. Egal, ob man sich am Kopierer oder auf der Toilette trifft- es schallt einem stehts ein tiefkehliges „Maaaaaaaahlzeit“ entgegen. Schon als guter Wunsch zum freudig erwarteten Mittagessen ist das M-Wort unsäglich, keine Frage. Wenn man aber bereits um 11h mit „Maaaaaaaaaaaaahlzeit“ gegrüßt wird und man selbst gerade einmal einen Kaffee herunterkippen konnte, kann einem schon mal anders werden. Mordlustig zum Beispiel.

Mittwoch, 25. April 2007

Du bist, was du isst

KuehlschrankEs gibt in neuen Beziehungen viele erste Male. Erster Flirt, erster Kuss, erster Sex, erster gemeinsamer Auftritt bei Freunden, erster Streit, erster Urlaub, aber nein, schon viel zu weit gedacht. Und vor allem schon vielfach beschrieben.
Ich kenne noch ein weiteres spannendes erstes Mal innerhalb des Kennenlernprozesses. Das erste Öffnen des Kühlschrankes in seiner Wohnung.
Da kommen schon mal Fragen auf.
Kann man sich von Becks Gold ernähren?
Was tut diese kühlende Gesichtsmaske im Gemüsefach?
Und vor allem- wem gehört sie?

Kühlschränke geben Informationen der besonderen Art, denn sie sprechen oft gleichermaßen von der Vergangenheit, wie auch der Gegenwart.
Ich habe neulich in einer zugegeben leicht oberstübchenunterversorgten Frauenzeitschrift intellektuelle Theorien von ungefähr folgender Art gelesen:

1.Bier+Tütenwurst+Senf= unkreativer Bauer, vergiss es.
2.Säfte+Champagner+italienischer Schinken= Verführer, könnte interessant werden
3.Soja+Tofu+Grünzeug= gefühlsbetonter Frauenversteher

Hat man jemals so einen Unsinn gehört? Und was, wenn man dann eine Flasche Bier, eine Portion Parma und einen Blumenkohl in gleicher Kühlgelegenheit findet? Ist es dann ein verständnisvoller Bauer, mit dem es trotzdem interessant werden könnte?!

Um jetzt mal Tacheles zu reden die Highlights meiner Kühlschranktraumata an beiden Enden der Fahnenstange:

Nummer eins: ein Stück verschimmelter Parmesankäse (ich brauche Menschen, die hin und wieder italienisch kochen nicht erzählen, dass Parmesan mindestens ein Jahr braucht, um grün zu werden), 1!leere! Milchtüte und 1 „kleiner Feigling“.
Das war alles. Spricht für sich.

Nummer zwei: frische Pasta in drei Geschmacksrichtungen, probiotische Fitnessdrinks, Lactodingensfreie Milch, Lachs, Pasteten, Weißwein, Prosecco, Vollkornbrot, Kopfsalat, Artischocken, getrocknete Tomaten, Eier, und ich schwöre es, eine Passionsfrucht.
Nicht dass ihr jetzt denkt, ich wäre in Jubelgeschrei ausgebrochen. Dieser Anblick stürzte mich in derartige Verwirrung, dass ich mich erst mal, die Kühlschranktür hinunter gleitend, auf den Küchenboden fallen lassen musste, um nachzudenken.
War ich so betrunken, dass ich nicht mehr wusste, in wessen Wohnung ich mich befand? War es am Ende doch meine eigene? Nein, lactosedingensfreie Milch habe ich nie gekauft.
Suspekt alles, sehr sogar.

Welcher Mann besitzt Artischocken und Passionsfrüchte? Psychopath oder Frauenversteher?

Ja, und ja. Ihr Männer könnt es uns nicht recht machen. Verschimmelten Parmesan wollen wir nicht, und der heimische Feinkostladen verwirrt uns auch. Frauen halt.

Dienstag, 24. April 2007

Asiatisch asiatisch vs. deutsch asiatisch

SchoteIch dachte immer, ich mag asiatisches Essen. Hierzulande in Düsseldorf freue ich mich beispielsweise regelmäßig über die Nr. E67 von Prickynoo (für Nicht-Eingeweihte: ist eine knusprige Ente mit allerlei Drumherum und einer leckeren Kokos-Currysauce, also kein – wie man vermuten könnte- Pflanzengift). Dieses Gericht zieren auf der Düsseldorfer Speisekarte bereits 3 Chilischoten als Warnung für empfindliche deutsche Mägen. 3 Schoten sind hier schon Highscore. Ich würde mich als Schärfeweichei bezeichnen, muss immer gleich weinen. Für Mägen wie mich wurden diese lustigen Warnicons überhaupt erst eingeführt. Trotzdem esse ich bei knurrendem Magen auch die besagte 3-Schoten-E67er-Ente mit Genuss.

Dann reiste ich letzten Herbst nach Asien. Meine Vorfreude auf die tolle asiatische Küche war bald verflogen und wich schon in Bangkok beginnend einer unfreiwilligen Kur. Ich bestellte von Anfang am immer „not spicey“, in der Steigerung „really not not not spicey, pleeeaaase“ (flehender Blick einer Ausgehungerten eingeschlossen). Was ich bekam war trotzdem für mich selten essbar, da viel zu scharf. Und das lag sicher nicht daran, dass mein Englisch von Thai-Kellnern nicht verstanden wurde. Grund ist die international nicht standardisierte Schärfeskala. Soll heißen: Für Gerichte, die in Düsseldorf ehrfürchtig mit 3 Schoten ausgezeichnet werden, hat man in Bangkok nur ein müdes Lächeln übrig. Oder anders herum: Für Gerichte, die in Bangkok keine Schote wert sind (ja, auch dort wird in touristisch besuchten Restaurants bereits mit Schotensymbolik gearbeitet), würden hier schon mal 6-8 verteilt.
Buddha sei Dank durfte ich mich nach der thailändischen Radikalkur in Vietnam und Kambodscha erholen, d.h. einfach auch mal satt essen. Schotentechnisch sind diese Länder aus thailändischer Sicht Weicheier wie wir.

Nun. Sonst sollte man noch wissen, dass Teller selten gespült werden, höchstens in der Rinnsteinwanne mal kurz ausgeschwenkt, dass man selten das bekommt, was man bestellt und dass man trotzdem nie sein Lächeln verlieren sollte. Wer sich in Geduld üben möchte, reise bitte nach Asien. Dass man nie bekommt, was man bestellt, liegt ebenfalls nicht an Sprachbarrieren, sondern am Kurzzeitgedächtnis von Asiaten im Allgemeinen und Vietnamesen im Besonderen. Ich schwöre, die Bestellung einer Cola schafft es selten bis zum Tresen, außer dieser ist binnen 3 Sekunden für den vietnamesischen Kellner erreichbar. Sagenhaft.

Als ich wieder in Deutschland war, bin ich dann mal schön mit Freunden asiatisch essen gegangen. Mit sauberen Tellern, tollem, für mich essbaren Curry und satter Zufriedenheit danach. Während dieses Essens habe ich dann allen von den Schoten erzählt, die ich auf meiner Reise erlebt habe. Kulinarisch wie auch sonst.

Also, falls mich einer fragt: Ja, ich komme in der Mittagspause gerne mit asiatisch essen. Deutsch asiatisch.

Vollidiot

VollidiotGestern abend war ich im Kino und habe mir den hochgelobten Oli-Pocher-wird-jetzt-ein-ernstzunehmender-Schauspieler-Film „Vollidiot“ angesehen. Alleine schon die Tatsache, dass sogar die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die ja sonst zerreißt, was zu zerreißen ist, den Film im Allgemeinen sowie Herrn Pocher im Besonderen in höchsten Tönen lobte, zwang mich zur Bildung einer eigenen Meinung. Es stand geschrieben, dass dieser Film mehr über das Leben in Deutschland erzähle, als so manches Grimmepreis dotiertes Meisterwerk.
Ich muss sagen, ja, ich hatte einen äußerst amüsanten Abend. Ich würde zwar nicht so weit gehen, Oliver Pocher nun auf den Olymp der unvergessenen Schauspieler zu schiessen, aber den Vollidioten hat er nahezu perfekt gemimt. Er hat in diesem Film das gemacht, was er am besten kann: Comedy auf Kosten des Durchschnittstyps. Ein bisschen so wie Christoph Maria Herbst, der als „Stromberg“ als Durchschnittsarschloch, der Steigerung des pocherschen Durchschnittstypen, brilliert. Und dann tritt Pocher alias Simon Peters eben nicht als Bürohengst bei der Versicherung auf, sondern als gelangweilter Verkäufer der Telekommunikationskette unseres nicht mehr vorhandenen Vertrauens. Über deutsche Lebens- und Markenkultur der Kernzielgruppe 20- bis 40-Jähiger erzählt der Film eine ganze Menge. Der ganze Streifen ist voll von Schleichwerbung, die keine ist. Denn Schleichwerbung spukt ja sonst eher im Hintergrund, gerade noch fürs Unterbewusstsein aufnehmbar. In „Vollidiot“ wird das IKEA-Logo in Bildschirmbreite gezeigt, ein in riesigen Lettern beklebtes Easy-Jet Flugzeug startet durch und Heineken Bier wird bis zum Abwinken über die Leinwand geprostet. Natürlich gehört der samstägliche obligatorische Ikea-Wahnsinn genauso zur derzeitigen deutschen Kultur, wie der im Internet gebuchte Schnäppchenflug und das grüne Feierabendbier. Die Frage, die sich mir stellt, ist folgende: Warum wurde die im Film ständig auftauchende Kaffeekette, die sowohl ihrer übersatten Produktauswahl als auch dem entlarvenden Sesseldekor zufolge eindeutig auf Starbucks anspielte, „All American Coffee Company“ genannt? Warum an dieser Stelle nicht auch Starbucks, so wie IKEA, Heinecken und Easy-Jet? Haben die Amis nicht gezahlt? Hat überhaupt jemand gezahlt? Um Mithilfe und Aufklärung wird gebeten.

Zeugen, Zoo und Zirkus

zoobesucherEinen wunderschönen guten Tag allerseits!

Wie beginnt man eigentlich einen Blog? Tja, ich weiß es nicht so recht. Vielleicht sollte ich damit anfangen, warum ich mich als „Zeitzeugin“ ins Blogspace eingeloggt- oder sagt man dann eingebloggt- habe. Man begegnet so vielen skurrilen Dingen und Menschen im Alltag, manches muss man einfach festhalten, finde ich. Wikipedia bietet wie man weiß allerlei Lustiges, auch zur Definition des Zeitzeugen: „Die Geschichtswissenschaft sieht Zeitzeugen als eine Art von Quellen an, die ebenso kritisch wie andere Quellen und nur im Zusammenhang mit anderen Quellen auszuwerten sind.“ Was lernen wir daraus? Fleissig alle möglichen Blogs lesen, vergleichen und immer schön kritische Kommentare schreiben, bitte! Ein anderer Wikipedia-Hinweis zum Thema gefällt mir besondes gut: „Man kann Zeitzeugen auch in didaktischer Weise verwenden, z.B. indem man sie Schulklassen vorführt.“ Das klingt ein bisschen nach Zoo, nach Zirkus, nach Voyeurismus, und nach Selbstdarstellung. Und ein bisschen von alledem steckt in jedem Leben, in jedem Blog. Viel Spaß dabei.

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