Dienstag, 24. April 2007

Asiatisch asiatisch vs. deutsch asiatisch

SchoteIch dachte immer, ich mag asiatisches Essen. Hierzulande in Düsseldorf freue ich mich beispielsweise regelmäßig über die Nr. E67 von Prickynoo (für Nicht-Eingeweihte: ist eine knusprige Ente mit allerlei Drumherum und einer leckeren Kokos-Currysauce, also kein – wie man vermuten könnte- Pflanzengift). Dieses Gericht zieren auf der Düsseldorfer Speisekarte bereits 3 Chilischoten als Warnung für empfindliche deutsche Mägen. 3 Schoten sind hier schon Highscore. Ich würde mich als Schärfeweichei bezeichnen, muss immer gleich weinen. Für Mägen wie mich wurden diese lustigen Warnicons überhaupt erst eingeführt. Trotzdem esse ich bei knurrendem Magen auch die besagte 3-Schoten-E67er-Ente mit Genuss.

Dann reiste ich letzten Herbst nach Asien. Meine Vorfreude auf die tolle asiatische Küche war bald verflogen und wich schon in Bangkok beginnend einer unfreiwilligen Kur. Ich bestellte von Anfang am immer „not spicey“, in der Steigerung „really not not not spicey, pleeeaaase“ (flehender Blick einer Ausgehungerten eingeschlossen). Was ich bekam war trotzdem für mich selten essbar, da viel zu scharf. Und das lag sicher nicht daran, dass mein Englisch von Thai-Kellnern nicht verstanden wurde. Grund ist die international nicht standardisierte Schärfeskala. Soll heißen: Für Gerichte, die in Düsseldorf ehrfürchtig mit 3 Schoten ausgezeichnet werden, hat man in Bangkok nur ein müdes Lächeln übrig. Oder anders herum: Für Gerichte, die in Bangkok keine Schote wert sind (ja, auch dort wird in touristisch besuchten Restaurants bereits mit Schotensymbolik gearbeitet), würden hier schon mal 6-8 verteilt.
Buddha sei Dank durfte ich mich nach der thailändischen Radikalkur in Vietnam und Kambodscha erholen, d.h. einfach auch mal satt essen. Schotentechnisch sind diese Länder aus thailändischer Sicht Weicheier wie wir.

Nun. Sonst sollte man noch wissen, dass Teller selten gespült werden, höchstens in der Rinnsteinwanne mal kurz ausgeschwenkt, dass man selten das bekommt, was man bestellt und dass man trotzdem nie sein Lächeln verlieren sollte. Wer sich in Geduld üben möchte, reise bitte nach Asien. Dass man nie bekommt, was man bestellt, liegt ebenfalls nicht an Sprachbarrieren, sondern am Kurzzeitgedächtnis von Asiaten im Allgemeinen und Vietnamesen im Besonderen. Ich schwöre, die Bestellung einer Cola schafft es selten bis zum Tresen, außer dieser ist binnen 3 Sekunden für den vietnamesischen Kellner erreichbar. Sagenhaft.

Als ich wieder in Deutschland war, bin ich dann mal schön mit Freunden asiatisch essen gegangen. Mit sauberen Tellern, tollem, für mich essbaren Curry und satter Zufriedenheit danach. Während dieses Essens habe ich dann allen von den Schoten erzählt, die ich auf meiner Reise erlebt habe. Kulinarisch wie auch sonst.

Also, falls mich einer fragt: Ja, ich komme in der Mittagspause gerne mit asiatisch essen. Deutsch asiatisch.

Vollidiot

VollidiotGestern abend war ich im Kino und habe mir den hochgelobten Oli-Pocher-wird-jetzt-ein-ernstzunehmender-Schauspieler-Film „Vollidiot“ angesehen. Alleine schon die Tatsache, dass sogar die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die ja sonst zerreißt, was zu zerreißen ist, den Film im Allgemeinen sowie Herrn Pocher im Besonderen in höchsten Tönen lobte, zwang mich zur Bildung einer eigenen Meinung. Es stand geschrieben, dass dieser Film mehr über das Leben in Deutschland erzähle, als so manches Grimmepreis dotiertes Meisterwerk.
Ich muss sagen, ja, ich hatte einen äußerst amüsanten Abend. Ich würde zwar nicht so weit gehen, Oliver Pocher nun auf den Olymp der unvergessenen Schauspieler zu schiessen, aber den Vollidioten hat er nahezu perfekt gemimt. Er hat in diesem Film das gemacht, was er am besten kann: Comedy auf Kosten des Durchschnittstyps. Ein bisschen so wie Christoph Maria Herbst, der als „Stromberg“ als Durchschnittsarschloch, der Steigerung des pocherschen Durchschnittstypen, brilliert. Und dann tritt Pocher alias Simon Peters eben nicht als Bürohengst bei der Versicherung auf, sondern als gelangweilter Verkäufer der Telekommunikationskette unseres nicht mehr vorhandenen Vertrauens. Über deutsche Lebens- und Markenkultur der Kernzielgruppe 20- bis 40-Jähiger erzählt der Film eine ganze Menge. Der ganze Streifen ist voll von Schleichwerbung, die keine ist. Denn Schleichwerbung spukt ja sonst eher im Hintergrund, gerade noch fürs Unterbewusstsein aufnehmbar. In „Vollidiot“ wird das IKEA-Logo in Bildschirmbreite gezeigt, ein in riesigen Lettern beklebtes Easy-Jet Flugzeug startet durch und Heineken Bier wird bis zum Abwinken über die Leinwand geprostet. Natürlich gehört der samstägliche obligatorische Ikea-Wahnsinn genauso zur derzeitigen deutschen Kultur, wie der im Internet gebuchte Schnäppchenflug und das grüne Feierabendbier. Die Frage, die sich mir stellt, ist folgende: Warum wurde die im Film ständig auftauchende Kaffeekette, die sowohl ihrer übersatten Produktauswahl als auch dem entlarvenden Sesseldekor zufolge eindeutig auf Starbucks anspielte, „All American Coffee Company“ genannt? Warum an dieser Stelle nicht auch Starbucks, so wie IKEA, Heinecken und Easy-Jet? Haben die Amis nicht gezahlt? Hat überhaupt jemand gezahlt? Um Mithilfe und Aufklärung wird gebeten.

Zeugen, Zoo und Zirkus

zoobesucherEinen wunderschönen guten Tag allerseits!

Wie beginnt man eigentlich einen Blog? Tja, ich weiß es nicht so recht. Vielleicht sollte ich damit anfangen, warum ich mich als „Zeitzeugin“ ins Blogspace eingeloggt- oder sagt man dann eingebloggt- habe. Man begegnet so vielen skurrilen Dingen und Menschen im Alltag, manches muss man einfach festhalten, finde ich. Wikipedia bietet wie man weiß allerlei Lustiges, auch zur Definition des Zeitzeugen: „Die Geschichtswissenschaft sieht Zeitzeugen als eine Art von Quellen an, die ebenso kritisch wie andere Quellen und nur im Zusammenhang mit anderen Quellen auszuwerten sind.“ Was lernen wir daraus? Fleissig alle möglichen Blogs lesen, vergleichen und immer schön kritische Kommentare schreiben, bitte! Ein anderer Wikipedia-Hinweis zum Thema gefällt mir besondes gut: „Man kann Zeitzeugen auch in didaktischer Weise verwenden, z.B. indem man sie Schulklassen vorführt.“ Das klingt ein bisschen nach Zoo, nach Zirkus, nach Voyeurismus, und nach Selbstdarstellung. Und ein bisschen von alledem steckt in jedem Leben, in jedem Blog. Viel Spaß dabei.

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